Blutwunder und Wunderregen

Anders als Nahrungswunder haben Blutwunder keinen (materiellen) Nutzen für die Menschen, sondern sind Zeichen Gottes per se. Wie beim Kornregen findet sich allerdings auch hier - wissenschaftlich betrachtet - eine natürliche Erklärung für die Erscheinung: Blutregen (vgl. Abbildung links) besteht geologisch-chemisch betrachtet aus Kieselsäure, Tonerde, Eisen- und Kupferoxyden. Er ist entweder ein Verwitterungsprodukt der Sahara oder wird dadurch hervorgerufen, daß Bienen und Schmetterlinge beim Ausfliegen beziehungsweise Auskriechen aus der Puppe einige Tropfen Blut lassen. Ferner veranlaßt das massive Auftreten der 'Blutalge' sowie der 'Wundermonade' roten Flüssigkeitsfall. Doch wie beim Kornregen handelt es sich hierbei um eine chemische, geologische oder biologische Beschreibung des Phänomens, die erst auf dem heutigen Wissensstand möglich ist. Für die Menschen des 16. Jahrhunderts war vor allem die Farbe des Niederschlags außergewöhnlich und machte aus der wie auch immer gearteten chemischen Substanz 'Blut' und damit aus 'Regen' ein 'Wunderzeichen'.

Neben dem Blutregen werden in Flugblättern Blutquellen beschrieben, die sich allmählich ausbreiten und ganze Seen und Flüsse rot färben (vgl. Abbildung rechts). Oft ist damit - der Texte nach - auch ein übler Geruch verbunden. Eines der ältesten Blutwunder ist das Blutschwitzen. Es tritt an allerlei Gegenständen auf, aber auch an Menschen, die deshalb als Heilige betrachtet werden.

Zu Wunderregen zählen neben Kornregen und Blutregen auch Schwefel-, Feuer- oder Mäuseregen. Sie alle werden stereotyp als Zeichen für kommendes Unheil verstanden, sind aus heutiger Perspektive jedoch auf natürliche Phänomene - wie Blütenstaub im Falle des Schwefelregens - zurückzuführen.

(c) 2005 Dr. Michaela Hammerl, http://www.wunderzeichen.de