
Während es sich bei Gespenster um rückkehrende Verstorbene handelt, sind Geister nicht-personale Spukwesen, die meist in Scharen auftreten. Geister ziehen entweder durch die Straßen, wobei sie oft als außergewöhnlich groß beschrieben werden und meist viel (ungewöhnlichen) Lärm verursachen (vgl. Abbildung links). Andere Spukgeschichten finden in Kirchen statt. Es beginnt überwiegend damit, daß die Kirchenglocken läuten, Lichter angehen und Gesang ertönt, ohne daß sich jemand in der Kirche befindet. Die erste Reaktion der Menschen ist Angst: Sie wagen es nicht, die Kirche zu betreten. Doch nach einschlägiger Beratung wagen es schließlich einige Geistliche - so berichten die Autoren der Flugblätter -, die Kirche aufzuschließen und nach dem Rechten zu sehen. Sie finden dort tatsächlich 'Geister', die sich jedoch nicht als so fürchterlich erweisen, wie befürchtet wurde, sondern als Boten Gottes auftreten, die den Menschen eine Nachricht übermitteln sollen.
An dieser Stelle rückt die Geistererscheinung in die Nähe einer spezifischen Untergruppe, nämlich der Engelserscheinung (vgl. Abbildung rechts). Dabei handelt es sich ebenfalls um Geisterwesen, die keine realen Menschen sind und plötzlich auftauchen und auch wieder verschwinden können. Doch steht im Unterschied zu Spukgeschichten nicht die Erscheinung selbst, sondern die Aussage der Wesen im Mittelpunkt. Diese rufen - wie es in den meisten anderen Neuen Zeitungen die Aufgabe des Autors ist - die Menschen zur Umkehr, zur Abwendung von ihrem sündhaften Leben auf und drohen ihnen Strafen an, die Gott senden wird, wenn sie sich nicht bessern.
Ähnlich verhalten sich Prophetenkinder. Auch sie tauchen plötzlich auf und zwar meist auf freiem Feld in weißen Kleidern und sprechen jemanden an, dem sie die Warnungen Gottes überbringen. Eine zweite Sorte von Prophetenkinder gehört nicht so sehr zum Bereich der Geister, sondern eher zu dem der Mißgeburten: Die Kinder werden mit irgendeinem Makel geboren, haben dafür aber die Fähigkeit, sofort nach ihrer Geburt zu sprechen und noch dazu in sehr gelehrter Weise. Beiden Arten von Prophetenkindern ist gemeinsam, daß es sich um außergewöhnliche Kinder handelt, die anscheinend nicht um ihrer selbst willen auf der Welt sind, sondern als 'Medien' Gottes fungieren und den Menschen Botschaften überbringen.
Demgegenüber erscheinen Gespenster meist allein aus 'egoistischen' Gründen, wie beispielsweise das oft behandelte "Budissinische Gespenst". Dieses erscheint einer adligen Frau und fordert sie zu allerlei 'abergläubischen' Handlungen auf (wie zum Beispiel das Ausgraben eines Schatzes). Da es sich bei dem Gespenst - wie es im Text heißt - um eine "Nonne" handelt, liegt zunächst die Deutung nahe, daß eine arme Seele in die Welt zurückgekehrt ist, um mit Hilfe einer 'Mittelsperson' von ihren Sünden befreit und aus dem Fegefeuer erlöst zu werden. Doch bestreiten dies die - mit Sicherheit protestantischen - Autoren des Textes mit Vehemenz. Ihrer Meinung nach ist die 'Nonne' ein böser Geist, ja der Teufel selbst, der die adlige Frau verführen will. Die 'Fegefeuer-Theorie' wird als "päpstlicher Aberglaube" abgetan. Nachdem ausführlich begründet wurde, warum es sich um einen bösen Geist handeln muß, liegt schließlich der Schluß nahe: Die Erscheinung ist eine "Prüfung des Glaubens und der Geduld", die Gott in Gestalt seines 'Knechts', des Teufels, den Menschen auferlegt.