
Im Bereich der 'Nahrung' machen Flugblätter und Flugschriften über Fastenwunder den größten Teil aus (vgl. Abbildung links). Bei diesem 'Wunder' handelt es sich meist um Täuschungsmanöver 'hysterischer' Mädchen, die das Interesse auf sich ziehen wollten. Dies gelang ihnen dadurch, daß sie vorgaben, nichts zu essen, also dem Grundbedürfnis jedes Lebewesen auf Nahrungsaufnahme nicht nachgehen zu müssen, und trotzdem bei bester Gesundheit zu sein. Dies war aus Sicht der Menschen unmöglich und konnte deshalb nur als Wunder aufgefaßt werden. Deshalb kamen die Leute von weit her, um das Wunder zu bestaunen und oft auch mit Geschenken zu belohnen. In den Flugblättern und Flugschriften werden sämtliche positiven Eigenschaften des Mädchens und meist auch ihr körperlicher Zustand detailliert beschrieben. Oft wurde das Mädchen nicht nur bewundert, sondern geradezu als Heilige, als Botin Gottes betrachtet, durch deren Mund die typische Wunderzeichen-Botschaft - Aufruf zu Buße und Umkehr - glaubwürdiger und eindringlicher wirkt.
Um Menschen, die nichts zu essen haben, aber - anders als die fastenden Mädchen - nicht ohne Essen leben können, geht es in Neuen Zeitungen über Nahrungswunder (vgl. Abbildung rechts). Meist handelt es sich dabei um arme Menschen, die auf wunderbare Weise gespeist werden. Im wesentlichen tauchen zwei Arten von Speisen auf, nämlich Korn und Mehl. Während das Korn vom Himmel zu regnen scheint und von den Menschen am Boden aufgesammelt wird, wird das Mehl meist zufällig beim Leimgraben in der Erde entdeckt. Sowohl das wunderbare Korn als auch das Wundermehl gelten als äußerst nahrhaft und dienen vor allem armen Familien mit vielen Kindern zum Überleben. Die Botschaft über den Fund breitet sich rasch aus, so daß zahlreiche Menschen zum Fundort pilgern und sich der Wundernahrung bedienen.
Wie man Ende des 19. Jahrhunderts festgestellt hat, handelt es sich bei dem angeblichen Kornregen um die sogenannte Mannaflechte, die durch Stürme über große Entfernungen hinweg getragen wird und schließlich als 'Regen' niederfällt. Jedoch war den Menschen im 16. Jahrhundert diese wissenschaftliche Erklärung noch nicht bekannt, sondern sie sahen in dem 'Kornregen' eine Parallele zum biblischen Mannaregen. Was zählte, war also nur, daß man die 'Körner' essen konnte und daß sie vom Himmel fielen, also ein Geschenk Gottes sein mußten.