Sowohl diese Erklärung der Wunder als Überschreitungen der sichtbaren bzw. unsichtbaren Natur als auch die Frage nach "wahren Wunderwerken" an sich ist typisch für das 18. Jahrhundert. Die Aufklärung nimmt Wunder nicht mehr als gegeben hin, sondern beginnt, diese zu hinterfragen, sie auf ihren Wahrheits- und Wirklichkeitsgehalt hin zu untersuchen. Noch im 16. und 17. Jahrhundert dagegen bildeten Wunder einen konstitutiven Bestandteil der Weltanschauung und waren im alltäglichen Leben der Menschen verankert. Im Sinne des bis in die frühe Neuzeit herrschenden Theismus war man überzeugt davon, daß es sich bei Wundern um sinnvolle Eingriffe Gottes in die Welt handelt. Während diese Eingriffe Gottes nach mittelalterlicher, katholischer Vorstellung stets positiv zu bewerten waren, setzte sich im Zuge der Reformation das Bild eines strafenden, warnenden Gottes durch, das die frühe Neuzeit beherrschte. Unwetter, Hungersnöte, Pest und anderes Unheil wurden als Bestrafung Gottes betrachtet, der über das sündhafte Leben der Menschen erzürnt ist. Ebenso galten auch Himmelszeichen, Blutregen, Geistererscheinungen, Auferstehungen und ähnliche Phänomene als Wunderzeichen, also als von Gott geschickte, wunderbare Zeichen, die den Zorn Gottes verkünden, vor künftigem Unheil warnen und die Menschen zu Buße und Besserung aufrufen. Diese Botschaft ist aus sämtlichen frühen Wunderzeichenberichten in Flugblättern und Flugschriften herauszulesen.
Erst im 17. Jahrhundert zeichnet sich allmählich ein sich wandelndes Welt- und Wunderverständnis ab, das auch in den Wunderzeichenberichten seinen Niederschlag findet. Während beispielsweise Haloerscheinungen im 16. Jahrhundert noch stereotyp als Wunderzeichen nach oben genanntem Schema interpretiert wurden, beginnt man im 17. Jahrhundert, die beobachteten Erscheinungen genauer unter die Lupe zu nehmen und nach natürlichen Ursachen zu fragen. So schreibt Caspar Fuld in einem Flugblatt von 1630: "Die Erste rühret auß Natürlichen vrsachen / als künfftige verenderung deß Wetters / sonderlich aber Regen / dann sie zeigen vns an / daß inn der Lufft viel Materi zu Platzregen sich gesammlet / vnd solches vmb so viel desto mehr / wann solche Sonnen gegen Suden oder Mittagigen theil deß Himmels / sich erzeigen / dann gemeiniglich / von dem Ort her die dicksten Wolcken zukommen pflegen". Auch wenn er als zweite Ursache eine "Geistliche" im Sinne der herkömmlichen Wunderzeichendeutung angibt, so sind in diesem Flugblatt doch erste Ansätze zu einer wissenschaftlichen Untersuchung des Phänomens gegeben.
Nicht bei allen Wunderzeichen sind natürliche Erklärungsversuche so früh faßbar wie bei den Haloerscheinungen. Doch spätestens im 18. Jahrhundert können manche Wunderzeichen (wie Himmelserscheinungen, Blutwunder oder Kornregen) natürlich erklärt werden, andere lösten zumindest heftige Diskussionen aus (wie Geister, Gespenster oder Scheintote). Es setzt sich immer mehr die Auffassung durch, daß der Glaube an Wunderzeichen Aberglaube sei, der aufgrund "der verdorbenen Einbildungskraft" der Menschen enstehe. Diese wiederum - wie Ferdinand Sterzinger in seiner Abhandlung "Bemühung den Aberglauben zu stürzen" von 1785 schreibt - "rühret her von der Unwissenheit in natürlichen Dingen, welche die fruchtbarste Mutter des Aberglaubens ist".
Die ‚Wirklichkeit', die sich hinter den Wunderzeichen verbirgt, interessierte die Menschen also erst ab dem 17., verstärkt ab dem 18. Jahrhundert. Doch auf die ‚Wahrheit' ihrer Berichte legten auch schon die Flugblatt- und Flugschriftautoren des 16. Jahrhunderts großen Wert. Gerade um diese Frage nach der Wahrheit der Wunderzeichenberichte soll es im folgenden gehen. Wie gelang es den Wunderzeichenautoren, daß man ihren Berichten Glauben schenkte? Wie sehr war ihnen an einer objektiven Berichterstattung gelegen und welche Mittel verwendeten sie dazu? Inwieweit bergen die Berichte andererseits jedoch auch subjektive Äußerungen?
Kennzeichen sämtlicher Titel der Flugblätter und Flugschriften ist, daß sie eine Nominalgruppe aufweisen, die aus einem substantivischen Kern wie "Bericht" oder "Geschichte" sowie vorangestellten Adjektivattributen wie "wunderbarlich" oder "wahrhafftig", einem nachgetellten Präpositional- oder Genitivattribut und einem nachgestellten Relativsatz bestehen. Die meisten Schlagzeilen sind also grob in drei Teile gegliedert: einem attributiven Vorfeld, dem substantivischen Kern und dem attributiven Nachfeld.
Zunächst zum Kern der Nominalgruppe, der als Minimalbestandteil in jedem Titel genannt ist. Belegt sind in den Wunderzeichenschriften folgende Lexeme (in alphabetischer Reihenfolge, ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Schreibweisen): "Abbildung", "Abcontrafactur", "Abriß", "Anzeigung", "Außlegung", "Bedeutung", "Bericht", "Beschreibung", "Betrachtung", "Bezeugnis", "Contrafactur", "Entwerffung", "Erinnerung", "Erscheinung", "Erzehlung", "Fewerzeichen", "Fürbildung", "Gedancken", "Geschichte", "Gesicht", "Himmelsbott", "Himmelszeichen", "Historia", "Klaglied", "Mirackel", "Mond=Wunder", "Nachricht", "Offenbarung", "Propheceyung", "Relation", "Vermahnung", "Vorstellung", "Warnung", "Warnzeichen", "Wundergeschichte", "Wundergesicht", "Wunderwerk", "Wunderzeichen", "Wunderzeitung", "Zeichen", "Zeitung", "Zornzeichen". Wenn man davon absieht, daß einige Bezeichnungen nur bei speziellen Ereignissen verwendet werden können (z. B. "Fewerzeichen", "Himmelszeichen", "Mond=Wunder"), so lassen sich die Substantive in drei Gruppen einteilen.
Zum ersten diejenigen, die nur in Flugblättern auftreten und sich explizit auf die Illustration beziehen, also "Abbildung", "Abcontrafactur", "Abriß", "Contrafactur", "Entwerffung". Diese belegen den hohen Stellenwert, der dem Holzschnitt auf den Einblattdrucken zukommt. Sie verweisen darauf, daß der Rezipient die zentralen Informationen über das Ereignis der Abbildung entnehmen kann, wohingegen dem Text eine untergeordnete, das Bild erläuternde Funktion zukommt. Der Terminus an sich beinhaltet keinerlei subjektive Stellungnahme.
Zum zweiten jene Begriffe, die Angaben über die Textsorte bzw. Textgattung, also über formale Kennzeichen des Textes machen. Dazu zählt der Großteil der genannten Wörter, nämlich "Anzeigung", "Außlegung", "Bedeutung", "Bericht", "Beschreibung", "Betrachtung", "Bezeugnis", "Erinnerung", "Erzehlung", "Fürbildung", "Gedancken", "Geschichte", "Historia", "Klaglied", "Nachricht", "Offenbarung", "Propheceyung", "Relation", "Vermahnung", "Vorstellung", "Warnung", "Wunderzeitung" und "Zeitung". Bei all diesen handelt es sich um Metabegriffe, die kaum Angaben über die Inhalte des Textes machen, sondern dem Rezipienten vorab eine Einordnung des Textes ermöglichen. So weisen die Lexeme "Anzeigung", "Bericht", "Beschreibung", "Betrachtung", "Nachricht", "Relation", "Vorstellung" und "Zeitung" auf eine objektive Berichterstattung hin, die der Textsorte ‚Zeitungsnachricht' (im heutigen Sinn) nahesteht. Der Leser erwartet eine neutrale Mitteilung des Sachverhalts, die lediglich Darstellungscharakter besitzt. Anders bei den übrigen Begriffen: Während "Erzehlung", "Fürbildung", "Gedancken", "Geschichte", "Historia" und "Offenbarung" den Leser weitgehend im Unklaren darüber lassen, ob ein objektiver Bericht oder eine subjektive Stellungnahme zum Geschehen folgt und in der Praxis wohl meist mit einer Mischung aus beidem zu rechnen ist, versuchen die Nennungen "Außlegung", "Bedeutung", "Bezeugnis", "Erinnerung", "Klaglied", "Propheceyung", "Vermahnung", "Warnung", "Wundergeschichte" und "Wunderzeitung" ihren subjektiven Charakter erst gar nicht zu verhehlen, sondern weisen von vornherein auf die Absicht des Autors hin. Mit dem folgenden Text möchte der Autor - darauf lassen diese Ausdrücke schließen - die beobachteten Zeichen nicht nur darstellen, sondern auslegen und auf ihre Bedeutung als wunderbare Warnzeichen hinweisen. Zur objektiven Darstellungs- gesellt sich somit eine subjektive Appellfunktion. Nicht die Nachricht über das Ereignis steht im Mittelpunkt, sondern deren Bedeutung für die Menschen.
Diese Appellfunktion tritt am deutlichsten bei der dritten Begriffsgruppe zutage. "Erscheinung", "Fewerzeichen", "Gesicht", "Himmelsbott", "Himmelszeichen", "Mirackel", "Mond=Wunder", "Warnzeichen", "Wundergesicht", "Wunderwerk", "Wunderzeichen", "Zeichen" und "Zornzeichen" beziehen sich im Gegensatz zur vorigen Gruppe nicht auf Textsorten, sondern auf Textinhalte. Sie unterstreichen bereits in der Überschrift den Wunder- und Zeichencharakter der Berichte und nehmen damit die Deutung in den Texten geradezu vorweg. Die zeichenhafte, appellative Funktion scheint somit in diesen Texten eindeutig im Vordergrund zu stehen, während der objektive Bericht in den Hintergrund rückt.
Den drei Gruppen von Substantiven nach zu urteilen ist in den Texten der Flugblätter und Flugschriften also die gesamte Spanne von objektiver Nachrichtenübermittlung bis hin zu subjektiver Einschätzung des Ereignisses vertreten. Doch schließen die zunächst so objektiv wirkenden Termini wie "Bericht", "Beschreibung", "Nachricht", "Relation" oder "Zeitung" tatsächlich Subjektivität der Texte aus? Um diese Frage beantworten zu können, muß das Umfeld der Nominalgruppen näher durchleuchtet werden.
In einigen Schriften schließt sich den eben genannten Substantiven ein nominales Attribut in Form eines Genitiv- oder Präpositionalattributs an. Dieses besteht, gerade in den Fällen, bei denen der substantivische Kern "Bericht", "Beschreibung", "Zeitung" o.ä. lautet, aus Substantiven der zuletzt genannten Gruppe, also meist Wunderzeichen oder Zeichen oder ein sich auf das konkrete Ereignis beziehendes Lexem (wie "Himmelszeichen", "Gespenst"), mit vorangestellten Adjektivattributen wie "wunderbarlich", "erschröcklich" oder "unerhört" (siehe unten). Die durch die Gattungsbezeichnung evozierte Objektivität wird dadurch sofort wieder relativiert. Auch wenn der Autor den Anschein einer objektiven Nachrichtenmeldung erwecken möchte, verhehlt er meist nicht den zusätzlichen appellativen Aspekt des Berichts.
Eine ähnliche Ambivalenz zwischen Subjektivität und Objektivität ist aus dem Vorfeld der Nominalgruppe, den vorangestellten Adjektivattributen, abzulesen. Diese reichen von relativ neutralen Begriffen wie "außführlich", "gründlich", "kurtz", "neu" oder "unerhört", die sich auf die Länge bzw. Aktualität des Textes beziehen, über positiv konnotierte Adjektive wie "christlich", "frölich", "göttlich", "gut", "himlisch", "schön" oder "tröstlich" bis hin zu Beteuerungen der Glaubwürdigkeit mithilfe der Attribute "eigendlich", "gewiss", "glaubhafftig", "historisch", "unfelbar", "wahr", "wahrhafftig" oder "wohlbeglaubt" und stark wertenden Ausdrücken wie "curios", "entsetzlich", "erbärmlich", "erschröcklich", "gedenckwirdig", "grausam", "greulich", "hertzschmerzlich", "hochbetrübt", "kläglich", "merckwürdig", "schrecklich", "seltzam", "trawrig", "ungewöhnlich", "vberwunderlich", "wunderbarlich", "wunderns=würdig" oder "wunderseltzam". Schon anhand dieser Liste wird deutlich, daß die wertenden Adjektive bei weitem überwiegen. Dabei werden Wunderzeichen, die Gott zum Wohl der Menschen geschehen läßt, wie Mehlwunder, Kornregen, Wunderbrunnen oder Engelserscheinungen mit positiven Ausdrücken belegt, wohingegen bei allen anderen Wunderzeichen, die den Zorn des strafenden Gottes verkünden, Adjektive überwiegen, die entweder den Charakter des Wunderbaren, Außergewöhnlichen oder aber des Erschreckenden, die Menschen Einschüchternden der Ereignisse betonen. Doch trotzdem solche wertenden Ausdrücke in einem Großteil der Titel anzutreffen sind, versuchen die Autoren, ihre Berichte glaubwürdig zu gestalten. Dies gelingt ihnen vor allem dadurch, indem sie den wertenden Adjektiven neutrale, die Wahrheit betonende zur Seite stellen. Es wird also nicht einfach ein Bericht von Wunderzeichen geliefert, sondern "Gründtliche vnd Warhafftige Bericht / vonn demm Erschröcklichen vnd Wunderbarlichen Zeychen", "Ein Warhafftige vnd Erschröckliche Newe Zeytung. Von den grausamen / vnd zuvor Vnerhörten Wunderzeichen", "Warhafftige Newe Zeitung / von einem Grausamen vnd Erschröcklichen Wunder= vnd Fewrzeichen" o.ä. Auch wenn die Deutung als Wunderzeichen letztendlich immer - zumindest in den frühen Schriften - dieselbe bleibt, so wird doch Wert auf deren Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit gelegt. Wahrheit und Wunder- bzw. Zeichencharakter mußten sich also in der frühen Neuzeit keineswegs ausschließen, sondern wurden im Gegenteil in den Wunderzeichen vereinigt gesehen: Ein Ereignis, von dessen Wahrheit man überzeugt war und für dessen Glaubwürdigkeit die Autoren in vielen Fällen bürgten, wurde sodann als Wunder und Zeichen Gottes ausgelegt.
Sowohl die Aktualität als auch die Glaubwürdigkeit der Ereignisse wird oft zusätzlich noch mithilfe eines der Nominalgruppe folgenden Attributsatzes unterstrichen. Denn dieser ordnet das Geschehen in vielen Fällen einem konkreten Ort und einer bestimmten Zeit zu. Diese oft sehr präzisen Orts- und Zeitangaben ermöglichen es - zumindest prinzipiell -, die Wahrheit des Ereignisses nachprüfen zu können. Dies führt zu einer erhöhten Transparenz und damit auch Glaubwürdigkeit des berichteten Vorfalls.
Von heutigen Zeitungsschlagzeilen unterscheiden sich die Titel der Neuen Zeitungen somit in dreierlei Hinsicht. Zum ersten hinsichtlich der Länge. Das "Kurzresümee eines wichtigen Textaspekts", das eine Zeitungsschlagzeile liefern sollte, fällt bei den Neuen Zeitungen größtenteils viel ausführlicher aus als in heutigen Zeitungen. In beiden Fällen ist zwar eine elliptische Nominalgruppe enthalten, doch schließt sich dieser bei den Neuen Zeitungen meist ein ziemlich komplexer Relativsatz an. Dieser enthält zudem den Kern der inhaltlichen Aussage, wohingegen sich die Nominalgruppe mit stereotypen Lexemen (siehe oben) begnügt. Während in heutigen Zeitungen also mithilfe von Kompositum- und Partizipialbildungen möglichst knappe Schlagzeilen als Lektüreanreiz verwendet werden, bestehen die Titel der Neuen Zeitungen aus prinzipiell vernachlässigbaren Schlagwörtern und mindestens einem vollständigen Satz mit finitem Verb, der bereits eine gestraffte Zusammenfassung des kompletten Inhalts - vor allem im Fall der meist sehr ausführlichen Titelblätter von Flugschriften - bietet.
Die zweite Differenz zwischen den Titeln der Neuen und der heutigen Zeitungen wurde bereits erwähnt. Während sich die Schlagzeilen heutiger Zeitungen konkret auf das berichtete Ereignis beziehen, enthalten sämtliche Flugblatt- und Flugschrifttitel stereotype Floskeln wie "neue Zeitung", "wahrhafftiger Bericht", "wunderbarliche Geschicht" oder "erschröckliches Wunderzeichen" (siehe oben). Diese kündigen lediglich die Gattung ‚Wunderzeichenbericht' an, sagen jedoch über das konkrete Ereignis meist wenig aus. Außerdem betonen sie gerade den Wunder- bzw. Sensationscharakter der Nachrichten, der heute nur noch innerhalb der Boulevardpresse relevant, in seriösen Zeitungen dagegen nicht mehr anzutreffen ist.
Zum dritten fehlen in heutigen Zeitungen die oben erläuterten, für die Neuen Zeitungen so wichtigen Wahrheitsbeteuerungen. Zwar bezieht man sich in den Texten gelegentlich auf die herangezogenen Quellen, um sich abzusichern und die Glaubwürdigkeit der Meldung zu unterstreichen. Doch im allgemeinen wird die Wahrheitstreue der Berichterstattung heutiger (seriöser) Zeitungen vorausgesetzt, ohne daß dies explizit betont werden muß. Ausdrücke wie "wahre Abbildung" oder "wahrhafftiger Bericht" sind deshalb in keiner Schlagzeile anzutreffen.
Das Besondere der Schlagzeilen der Neuen Zeitungen scheint gerade in diesen drei Punkten zu liegen, in denen sie sich von heutigen Zeitungsschlagzeilen abgrenzen. Sowohl der stereotype Aufbau, die immer wiederkehrenden Begriffe, die das Ereignis als etwas Wunderbares, Sensationelles ausweisen, und die Ausführlichkeit vieler Titel(blätter) als auch das Zusammenspiel von subjektiv-wertenden und objektivitätsbetonenden Lexemen machen wohl die Mediengattung ‚Neue Zeitung' bzw. die Textgattung ‚Wunderzeichenbericht' aus.
Dies führt uns zur nächsten Beglaubigungsstrategie: der Nennung von Zeugen. In zahlreichen Texten heißt es, daß das Wunder von vielen glaubwürdigen Leuten gesehen wurde. Oft ist nur allgemein von den Leuten oder Menschen die Rede, doch immer sind es viele, die das Wunderzeichen beobachtet haben. Und auch der Autor selbst behauptet des öfteren, vor Ort gewesen zu sein und die Wahrheit bezeugen zu können. So schreibt der Verfasser einer Flugschrift von 1589 am Ende seiner Ausführungen: "Solches bezeuge ich Doctor Jacobus Buchner / bey meinem Ayd / das ich die Person selber gesprochen hab".
Viele Autoren scheuen keine Mühen, um sich von der Wahrhaftigkeit selbst zu überzeugen, wie beispielsweise die Autoren eines Flugblatts über ein Fastenwunder von 1585. Diese haben sowohl Vater und Mutter als auch das Fastenmädchen selbst interviewt und geben ihre Ergebnisse in dem Flugblatt wider. Das Mädchen wurde zudem mehrere Male in Gewahrsam genommen, um möglichen Betrug auszuschließen. Als alle Untersuchungen positiv verlaufen waren, sind die vier (namentlich am Ende des Flugblatts genannten) Autoren darin übereingekommen, daß es sich tatsächlich um ein Wunder handeln muß.
Gelegentlich nennt der Autor konkrete, neutrale und besonders glaubwürdige Personen. So holt der Pfarrer Paulus Bieber, der als Geistlicher selbst schon als sehr vertrauenswürdig eingestuft werden kann, "den Edlen / Ehrnvesten Juncker Caspar von Olsen / auff Pluttweinen Erbsasse" zu sich, um die während der Kommunionausteilung vollzogene Verwandlung des Weins in Blut bezeugen zu können. Gerade Geistliche, Adlige oder Gelehrte sind es, die des öfteren als Zeugen herangezogen werden, da sie aufgrund ihrer Stellung als äußerst glaubwürdig angesehen werden.
Neben Zeugenaussagen treten in manchen Fällen auch Sachzeugen auf. So wird das (angebliche) Korn, das vom Himmel regnet, von den Menschen aufgesammelt und als Nahrung verwendet wird, hin vnd wider in vil Land von einem guten fründ zu dem anderen geschickt. Damit findet zum einen das von Gott geschickte Wunder weite Verbreitung, zum anderen vermehrt es die Zahl der Zeugen, die das Korn selbst in Händen halten und sich somit direkt von der Wahrheit des Wunderzeichens überzeugen können. Im Fall von Blutregen sind es Gegenstände wie Blätter oder aufgehängte Wäsche, die Zeugnis von der Wahrheit des Berichts ablegen. Denn an diesen bleiben die Blutstropfen haften, so daß diese ebenfalls als Beweisstücke an viele Menschen verschickt werden können.
Als ‚Sachzeugen' im übertragenen Sinn können auch die Illustrationen der Flugblätter (und Flugschriften) gelten. Denn wie die Autoren oftmals - meist bereits im Titel - betonen, bilden diese das Geschehen authentisch ab, liefern damit dem Rezipienten einen visuellen Eindruck vom Ablauf des Ereignisses und erhöhen so dessen Glaubwürdigkeit.
Als weitere Beglaubigungsstrategie fungiert in vielen Neuen Zeitungen das Zitieren von Bibelstellen oder geschichtlichen Ereignissen. Um zu belegen, daß ein derartiges Wunderzeichen möglich ist und auch tatsächlich schon Wirklichkeit geworden ist, wird auf entsprechende Geschichten aus der Bibel oder den Geschichtsbüchern verwiesen.
Und auch der immer wiederkehrende Hinweis auf den göttlichen Ursprung der Wunderzeichen kann als Beglaubigungsstrategie gewertet werden. Denn was von Gott kommt, daß darf - dem Verständnis der Menschen der frühen Neuzeit nach - nicht angezweifelt werden. Eine besondere Stellung nehmen hierbei Flugblätter und Flugschriften über wunderbare Wesen oder Menschen ein, da diese in einer besonders intensiven Beziehung zu Gott stehen. Während der enge Kontakt zu Gott bei Engeln schon vom Wesen her vorgegeben ist, erlangen manche Menschen aufgrund der außergewöhnlichen Situation, in der sie sich befunden haben, eine solch exklusive Position. So wird von einigen Auferstandenen berichtet, daß sie während ihres Zustands der ‚Entzückung' von einem Engel oder Geist auf eine imaginäre Reise geführt worden seien. Dabei hätten sie Einblick in Himmel und Hölle und von Gott eine Botschaft für die Menschen erhalten. Auch wenn diese Botschaft den Appellen in sämtlichen Wunderzeichenschriften entspricht, erlangen sie in diesen Schriften wohl besondere Eindringlichkeit und Glaubwürdigkeit, da sie von einem Menschen formuliert werden, der aufgrund seines ‚Nahtod-Zustands' bereits in direktem Kontakt mit Gott gestanden hat.
Schließlich ist aus sprachlicher Hinsicht auf die Verwendung von Modalverben, Konjunktiv und indirekter Rede hinzuweisen, die das Gesagte abschwächt und den Autor in Distanz zum Ereignis rückt. Gerade wenn er den Vorfall nicht selbst bezeugen kann, sichert er sich so gegenüber seinen Lesern ab, indem er das Ereignis als außenstehender, neutraler Berichterstatter wiedergibt.
Trotzdem sämtliche Wunderzeichenschriften also von "wunderbarlichen" und "erschröcklichen" Ereignissen berichten und ihre Intention, nämlich an die sündhaften Menschen zu appellieren und diese zu Reue und Umkehr aufzurufen, nie verhehlen, setzen die Autoren zahlreiche Mittel zur Beglaubigung ihrer Berichte ein. Das Zusammenspiel von Subjektivität und Objektivität, das bereits in den Titeln anklingt, wird somit in den Texten fortgeführt. Objektiver Bericht und propagandistische Funktion schließen einander nicht aus.
Nur vor diesem Hintergrund ist zu erklären, weshalb Begriffe wie "wahrhafftig" und "wunderbarlich" in den Wunderzeichenberichten auf einer Ebene, oft sogar mit der Konjunktion "und" verbunden, verwendet werden. Denn das Lexem "wahrhafftig" bezieht sich hier eben nicht auf jene Wirklichkeit, die die Aufklärer interessiert, sondern gerade auf den wunderbaren Zeichencharakter der Erscheinungen. Trotzdem es sich um Wunder handelt, sind die Beglaubigungsstrategien in den Berichten notwendig, da nur so die Wunderzeichenbotschaft ihre nötige Glaubwürdigkeit und Eindringlichkeit erfährt. Nur wenn der Rezipient von der Wahrheit des Geschehens überzeugt ist, kann er auch dem Appell der Autoren Glauben schenken. Alleine die Vermischung von Subjektivität und Objektivität ermöglicht es also wohl, daß die religiös-propagandistische Intention der Wunderzeichen-berichte tatsächlich seine Funktion erfüllt und die Menschen den Aufruf zu Buße und Umkehr ernst nehmen.